Nutztiere

Als Nutztier werden Tiere bezeichnet, die vom Menschen (oder von anderen Tieren) wirtschaftlich genutzt werden. Als Mast- und Schlachttiere (Fleischtiere), Milchtiere, Fett-, Leder-, Daunen- oder Felllieferanten, Zuchttiere und Arbeitstiere dienen Nutztiere insbesondere der Versorgung mit Nahrung, Kleidung und anderen tierischen Rohstoffen sowie der Arbeitserleichterung. Speziell in der Landwirtschaft werden Vieh, Geflügel und andere Hoftiere als Nutztiere gehalten. Aber auch außerhalb der Landwirtschaft treten Haustiere als Nutz- oder Gebrauchstiere in Erscheinung und werden vom Menschen als Jagdtiere, Wachtiere, Transportmittel und zu sonstigen Zwecken (etwa auch als Labor- und Versuchstiere) genutzt. Darüber hinaus können auch gezähmte Wildtiere (z.B. Arbeitselefanten) und nicht domestizierte Tiere wie Fische oder domestizierte aber ungezähmte Tiere, wie Honigbienen Nutztiere sein, wenn deren Haltung ökonomischen Zwecken dient.

Der Begriff Domestizierung oder Domestikation ist von entscheidender Bedeutung, wenn es um Nutztierhaltung geht. Denn sie sorgt dafür, dass Nutztiere unseren menschlichen Bedürfnissen entsprechen. Die Domestizierung beschreibt also den Prozess des Formens von Tier- oder Pflanzenarten (über Generationen hinweg) nach menschlichen Vorstellungen und Bedürfnissen.

  •  Das Fachgebiet für Tiergenetik und Züchtung (460g) leistet Beiträge zur Aufklärung genetischer Variationen tierzüchterisch relevanter Merkmale bei landwirtschaftlichen Nutzieren. Merkmale der Robustheit, Effizienz und Gesundheit stehen dabei im Vordergrund. Es entwickelt Selektionsmethoden zur züchterischen Optimierung dieser Merkmale und zur nachhaltigen Nutzung der genetischen Variation.
    Es werden hauptsächlich innovative quantitativ-genetische und molekulargenetischen Methoden angewandt und diese mit dem Methodenrepertoire benachbarter Fachgebiete in interdisziplinären Forschungsprojekten verknüpft.

    Weitere Informationen unter: tiergenetik.uni-hohenheim.de

  • Der Magen-Darm-Trakt von Nutztieren ist eine komplexe mikrobielle Umgebung, die große Gruppen von Mikroorganismen mit spezifischen Funktionen und Dynamiken umfasst. Diese Mikroorganismen spielen eine wichtige Rolle für die Gesundheit des Wirts, die Nährstoffverwertung und die Leistung.
    Das Fachgebiet für Mikrobielle Ökologie bei Nutztieren (460m) interessiert sich für die phylogenetische und funktionelle Charakterisierung des komplexen Mikrobioms, das den Verdauungstrakt von Nutztieren besiedelt. Forscher am Fachgebiet führen Mikrobiomanalysen auf der Grundlage von Kultivierungs-, Metagenomik- und Metatranskriptomik-Ansätzen durch, hauptsächlich unter Verwendung von Hochdurchsatz-Sequenzierung. Weitere Informationen unter: livestock-microbial-ecology.uni-hohenheim.de/profil-des-fachgebiets

Typische Nutztiere in Deutschland

Als Hausgeflügel bezeichnet man vom Menschen domestizierte Vögel. Zum Hausgeflügel zählen Hühner, Enten, Gänse, Truthühner und Perlhühner. Diese versorgt den Menschen seit mehr als 4.000 Jahren mit Fleisch und Eiern. Das häufigste Nutztier in Deutschland ist das Haushuhn. Die Haltungsformen für Legehennen haben sich in Deutschland in den vergangenen Jahren deutlich verbessert: Einer der Hauptgründe hierfür ist, dass seit 2012 die Haltung in konventionellen Käfigen europaweit verboten ist. Legehennen werden seitdem nur noch in so genannten ausgestalteten Käfigen, in Boden- und Freilandhaltung sowie in ökologischer Erzeugung gehalten. Während der Eierkonsum relativ stabil ist, wächst der Appetit der Deutschen auf Geflügelfleisch seit Jahrzehnten. Befriedigt wird dieser Bedarf zu großen Teilen von einigen Hundert spezialisierten Betrieben mit sehr großen Tierbeständen.

Deutschland ist nach Frankreich der zweitgrößte Erzeuger von Geflügelfleisch in der EU. Bei den Eiern deckt die heimische Erzeugung den inländischen Verbrauch etwa zu zwei Dritteln. Eier und Geflügelfleisch tragen etwa sechs Prozent zum Produktionswert der Landwirtschaft bei, 2013 waren es rund 3 Milliarden Euro – 75 Prozent davon entfielen auf Geflügelfleisch.

Domestiziert vor mindestens 9.000 Jahren, ist das Schwein eines der ältesten Nutztiere des Menschen. Heute ist es der wichtigste Fleischlieferant Deutschlands und eine tragende Säule der heimischen Landwirtschaft. Die Schweinehaltung hat sich in den vergangenen Jahrzehnten rasant gewandelt: Zunehmend prägen diesen Produktionszweig hoch spezialisierte Betriebe mit großen Tierbeständen.

Etwa die Hälfte aller Landwirte in Deutschland hält Rinder, um Milch, Fleisch oder beides zu erzeugen. Damit sind Rinder ökonomisch gesehen die wichtigsten Nutztiere der deutschen Landwirtschaft. Während die Zahl der Rinderhalter sinkt, steigen die Herdengrößen: Über zwei Drittel der Rinder leben in Betrieben, die mindestens 100 Tiere halten.

Rinderhaltung

 In Deutschland leben vier von fünf Rindern in Laufställen, in denen sie sich relativ frei bewegen können. Die Ausgestaltung dieser Ställe variiert erheblich. Die Spannbreite reicht von Ställen, deren Boden komplett aus Betonspalten besteht (meist Rindermastbetriebe), bis hin zu großzügig bemessenen Boxenlaufställen, in denen jeder Milchkuh eine mit Einstreu (zum Beispiel Stroh) gepolsterte Ruhezone zur Verfügung steht.

Daneben ist, insbesondere auf kleineren Höfen, noch die Anbindehaltung anzutreffen: Hier stehen die Tiere angebunden in Reihen nebeneinander und können lediglich aufstehen oder sich hinlegen. Etwa jedes fünfte Rind wird in Deutschland so gehalten. Unabhängig von der Haltungsform im Stall hat etwas mehr als jedes dritte Rind im Sommer regelmäßigen Weidegang, im Durchschnitt etwa ein halbes Jahr lang. Das Weiden von Kühen leistet einen wichtigen Beitrag für die Pflege des Grünlands.

Ökonomische Bedeutung der Rinderhaltung

Deutschland ist der größte Milcherzeuger der Europäischen Union (EU) und nach Frankreich der zweitgrößte Erzeuger von Rind- und Kalbfleisch. Etwa jeden vierten Euro erwirtschaften die deutschen Landwirte mit der Milch und dem Fleisch der Rinder - 2013 summierte sich der Produktionswert auf 15 Milliarden Euro. Fast drei Viertel davon, mehr als elf Milliarden Euro, entfallen auf die Milch. Diese wird fast vollständig in heimischen Molkereien zu Trinkmilch, Butter, Joghurt, Käse und anderen Milchprodukten weiterverarbeitet. Knapp die Hälfte dieser Milchprodukte wird exportiert, davon 84 Prozent in Länder der EU. Wichtige Drittlandmärkte sind Russland, USA und China.

Schafe und Ziegen zählen aufgrund ihrer vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten zu den ältesten Nutztieren. Die Ziege ist das erste Nutztier der Menschheit und wurde wahrscheinlich vor 13.000 Jahren domestiziert. Schafe folgten vor mindestens 10.000 Jahren. Während das Schaf, und viel mehr noch die Ziege, heute eher eine untergeordnete Rolle in der deutschen Landwirtschaft spielen, haben sie weltweit eine große wirtschaftliche Bedeutung. Schafe werden als Fleischlieferant und für die Produktion von Wolle genutzt. Daneben besteht auch ein Markt für die Milch der kleinen Wiederkäuer. Durch das Weiden auf Grünland verwerten Wiederkäuer aufgrund ihrer Eigenschaften für den Menschen nicht nutzbare Nährstoffe. Über Fleisch und Milch werden diese Nährstoffe für den Menschen verfügbar. Die Haltung von Schafen und Ziegen ist aufgrund ihrer Genügsamkeit auch bei einem eingeschränkteren Nahrungsangebot und mit geringerem finanziellem Aufwand möglich. Insbesondere auch in kargen Landschaften oder auf Grenzertragsstandorten, die sich für die Nutzung durch Rinder oder andere Haustiere nicht eignen. Der Einsatz von Schafen in der Landschaftspflege trägt dazu bei, ansonsten gefährdete Biotope und Kulturlandschaften zu erhalten. Neben der Haltung von Schafen und Ziegen an festen Standorten (Standweiden) und in Kombination mit Ställen, werden Schafe im Zuge der Wanderschäferei auf wechselnden Weiden gehalten. Der Bestand von Schafen und Ziegen geht in den letzten Jahren immer weiter zurück, wobei der Ziegenbestand etwa ein Zehntel des Schafbestands ausmacht.

Die Biene ist das kleinste Haustier der Welt – und doch leistet sie Herausragendes! Sie sorgt für Vielfalt in der Natur und auf unseren Tellern, denn sie bestäubt die allermeisten Wild- und Kulturpflanzen und verhilft ihnen so zu mehr Früchten. Mit Honig, Bienenwachs und Gelée royale liefert die Biene außerdem wertvolle Naturstoffe. Die natürliche und auch die vom Menschen geschaffene und genutzte biologische Vielfalt, die so genannte Agrobiodiversität, gehen zurück. Diese Entwicklung zeigt sich weltweit – auch in Deutschland. Der Schutz und der Erhalt von Artenvielfalt und Biodiversität sind zentrale Zukunftsaufgaben. Eine besondere Rolle spielen dabei Bienen, Wildbienen und andere Bestäuber. Sie sichern beispielsweise die biologische Vielfalt, indem sie Wild- und Kulturpflanzen bestäuben und so Ernten sichern. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) setzt sich deshalb für deren Schutz ein.